Mietje Bontjes van Beek
Mietje Bontjes van Beek

Helmut Schmidt

Über Erfahrungen unter Künstlern

Lieber Herr Schmidt, schon lange wollte ich Sie nach Ihren Erinnerungen an die Künstlerkolonie in Fischerhude bei Bremen fragen. Sie waren dort als Jugendlicher und junger Soldat häufig zu Gast. Hatten Sie damals einen kleinen Hang zur Boheme?

Nein. Als ich mit meinem Bruder 1934 auf einer großen Radtour von Hamburg bis in den Rheingau war, machten wir Station bei einem Freund von Onkel Heinz in Fischerhude. So kamen wir in Kontakt mit den Malern; Fischerhude war ein später Ableger von Worpswede. Clara Rilke-Westhoff, die Witwe von Rainer Maria, lebte dort, Otto Modersohn und andere. Dort herrschte eine Atmosphäre, die ganz anders war als im »Dritten Reich«.

Sie haben das ganz bewusst so wahrgenommen?

Ja. Vor dem Krieg, von 1937 bis 1939, war ich Wehrpflichtsoldat und fuhr am Wochenende gern mit der Bahn von Vegesack nach Sagehorn; von dort nach Fischerhude musste ich sechs Kilometer durch wunderschöne Natur gehen und mehr als zwanzig Brücken überqueren. Keine Berge, keine Hügel, nur flaches Land, kleine Flüsse und ein riesenhafter Himmel. Unter den Malern gab es keine Nazis. Ich traf dort Musiker, Autoren und Maler, auch aus Frankreich und Holland. Für mich war das die einzige Oase im »Dritten Reich«.

War Fischerhude eine Art Künstler-WG?

Nein, jeder hatte sein eigenes kleines Häuschen. Die meisten lebten ärmlich. Man besuchte sich häufig, saß auch mal in der Kneipe zusammen und machte viel Musik, zum Beispiel im Hause von Clara Westhoff. Und es gab diese sehr freien Diskussionen!

Hier die Künstler, da der Soldat Helmut Schmidt, der doch ordentlich nationalistisch eingestellt war – gab es da keine Spannungen?

Ich war kein Nationalist, und Spannungen gab es nicht. Die Künstler kannten mich doch schon als 15-jährigen Jungen. Für mich waren die Besuche eine Erholung.

Sie fühlten sich vor allem zu der Tänzerin und Malerin Olga Bontjes van Beek hingezogen. Was fanden Sie an ihr so faszinierend?

So genau weiß ich das nicht mehr. Sie war eine liebenswerte Frau, die drei Kinder hatte. Ihr Sohn Tim war Pianist. Mietje, eine Tochter, ist Malerin geworden. Die ältere Tochter, Cato, ist in Berlin-Plötzensee hingerichtet worden.

Sie gehörte, glaube ich, der Roten Kapelle an.

Sie hatte enge Verbindungen zum Widerstand. Beide Schwestern haben Flugblätter verteilt. Die Gestapo hat beide gegriffen, und Cato hat ihr Leben verloren.

Das beschäftigt Sie heute noch?

Ich hatte Cato während des Krieges gewarnt, dass das, was sie machte, zu gefährlich sei. Aber ich war nicht energisch genug, das habe ich mir später vorgehalten. Einmal lud sie mich zu einer großen Fete in eine Alt-Berliner Wohnung am Kaiserdamm ein. Es waren wohl an die 40 Leute da, und es wurde ungeheuer abfällig, sogar hasserfüllt über die Nazis geredet. Dabei kannte mich da außer Cato keiner – ich hätte doch auch ein Agent der Gestapo sein können!

 



Interview mit Herrn  Dominique Bontjes van Beek

 Sie haben kurz vor dem Tod ihrer Mutter angefangen ihre gesammelten Werke auf dieser Homepage einzustellen. Warum ? Und was sind ihre weiteren Planungen ?

D. BvB : Ich bin immer noch dabei die gesammelten Werke meiner Mutter Mietje zu sichten . Ich würde gerne ein Verzeichnis ihrer Werke auf dieser Seite anlegen. Hinzu kommen auch viele Werke meiner Großmutter Olga.Mietje wollte immer das ihre Kunst dem Betrachter freude macht und nicht weggeschlossen oder eingelagert wird.Dieses werde ich Respektieren !

 



Wie hat die tragische Geschichte von Cato , ihre Familie und die Malerei ihrer Mutter beeinflusst ?

Der Tot von Cato war für alle eine Tragödie! Mietje hat in vielen Gesprächen versucht ihr deutlich zu machen in welche Gefahr sie sich und die ganze Familie bringt! Sie sah diese Gefahr nicht , als wäre sie blind für die Realität und Gefahr . Ich habe noch viele Briefe die sie aus dem Gefängnis geschrieben hat .Über meine Tante Cato werde ich in diese Netzseite keine weiteren Erläuterungen vornehmen .Sie Ist schon längst zu einer Person des öffentlichen Interesse glorifiziert worden .Schriftstellerische Freiheiten und Geschichts Verzerrungen haben dazu beigetragen das über sie mehr berichtet und geschrieben wurde als sie je erlebt hatte. Es ist auch eine falsche Behauptung Mietje wäre verfolgt worden , dann hätte sie Cato nicht besuchen dürfen. Meine Mutter ließ sich nie in irgendeiner Sache reinreden! Die Weltanschauung meiner Mutter war die Ablehnung aller gesellschaftlichen Konventionen und Regeln (ich bin ich ) sagte sie immer, was ihr oft Ärger einbrachte ! Deswegen war ihre Kunst frei! Auch von der Meinung anderer!

Fortsetzung folgt ......

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mietje Bontjes van Beek, Positano Italien  1953

 

 

 

Olga Bontjes van Beek  Positano Italien  1953

Zur Erinnerung an Mietje Bontjes van Beek aus Fischerhude geboren am 06.05.1922 verstorben am 17.11. 2012

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© Frank Richard Bey