Mietje Bontjes van Beek
Mietje Bontjes van Beek

Die am 06.05.1922  in Bremen geborene Mietje Bontjes van Beek wuchs in einer Künstlerfamilie auf. Ihr Großvater, der "königliche Malprofessor" Heinrich Breling, baute das Haus in Fischerhude und malte in dem Atelier, in dem seine Enkelin noch heute malt. Olga Bontjes van Beek, Mietjes Mutter, war zunächst Tänzerin, anschließend Malerin. Und der Vater, Jan Bontjes van Beek, wurde durch seine Keramiken berühmt. Zum großen Kreis der Künstlerfamilie gehörte auch Otto Modersohn der nach Paula Beckers Tod Olgas Schwester Louise Modersohn-Breling aus Fischerhude heiratete.Mietje Bontjes van Beek wandte sich ebenfalls der Kunst zu. Sie studierte in Berlin und Hamburg. Nach langen Studienaufenthalten im Tessin, in London, Italien und den USA kehrte sie schließlich nach Fischerhude zurück. Während der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten lebte sie zunächst mit ihrer Schwester Cato in Berlin. Sie und ihre Familie mussten die Grausamkeiten des Nazi-Regimes bitter erfahren: Cato leistete Widerstand und wurde 1943 in Plötzensee ermordet, ihr Bruder Tim im Krieg verwundet. Mietje verließ Berlin rechtzeitig und entkam dem Terror. In ihrem Buch "Verbrennt diese Briefe!", wie auch in ihrem malerischen Schaffen setzte sich die Künstlerin mit dieser Phase ihres Lebens auseinander. Ihre bewegenden Bilderzyklen zu Erfahrungen während der Nazi-Zeit stellen zweifellos den beeindruckendsten Teil ihres Werkes dar. Darüber hinaus sind es Natur, Landschaft, Tier, Mensch und Technik, mit denen sich Mietje Bontjes van Beek beschäftigte und in ihren Bildern eigenwillig Ausdruck verleiht.

Nach dem Erhalt der Fachhochschulreife und der Trennung der Eltern, zog Mietje zusammen mit ihrer älteren Schwester Cato zum Vater nach Berlin. Dort besuchte sie die Meisterschule für Kartografie und Gebrauchsgrafik.

Ab dem Jahre 1941 trafen Mietje und Cato regelmäßig auf französische Kriegsgefangen, mit denen sie unter anderem Schriftstücke austauschten.

„Diese Briefe mussten aus Sicherheitsgründen sofort verbrannt werden“, erzählte Mietje deren Schwester Kontakt zu aktiven Widerstandskämpfern hatte.

Mietje Bontjes van Beek war krank und war zu der Zeit viel im Allgau und in Fischerhude,  sie wurde nicht verfolgt

„Das war eine aufregende Reise“, Drei Jahre später verlegte Mietje ihren Lebensmittelpunkt nach Hamburg, um dort an der Landeskunstschule von Professor Friedrich Ahlers-Hestermann unterrichtet zu werden. Nach dem dortigen Abschluss reiste sie viel nach Amerika, nach England und in die Schweiz, um dort Freunde zu treffen und Bekanntschaften zu knüpfen.

In der Schweitz kam ihr Sohn Dominique zur Welt. Nach dem dieser einige Monate alt war, ging es zurück nach Fischerhude und einige Jahre später zog es die Malerin nach Italien. Dort nutzte sie zusammen mit ihrer Mutter eine zum Atelier umgebaute Garage.

„Ich male seit meiner Kindheit“ Ihr Lieblingsmotiv seien Tiere, vor allem Wölfe. Blumen kämen ihr hingegen nicht auf die Leinwand.

Mietje hat Ihr Talent und Können geerbt und sich in ihrem Leben ganz der Kunst verschrien.

„Malen kann ich immer“, berichtete Sie, die künstlerisch bereits viel herumexperimentierte. Sie versuchte sich sowohl in der Keramik als auch als in der Poetik und als Autorin.

Im Jahre 1998 veröffentlichte sie das von ihr geschriebene Buch „Verbrennt die Briefe“. Zudem hat sie ein Gemälde vom Blauen Wunder in Dresden angefertigt, das sie der Stadt vermacht hat. Zurzeit ist das Bild als Leihgabe in China.

„Da bin ich sehr stolz drauf“, erzählte Mietje Bontjes van Beek, die sich den Spruch „Das Leben ist immer schön“ zu Herzen genommen hat.

 

Mietje Bontjes van Beek im September 1986

Mietje Bontjes van Beek


Anno 1954.

Aus dem nebligen England kommend, fuhr ich über Paris - Rom - Neapel direkt nach Positano! Dieser Ort, im Golf von Salerno gelegen, von hohen schroffen Felsen umgeben, die steil bis hinunter zum Meer fallen, war einmal im späten Altertum ein wichtiges Sarazenennest. Der Kuppeldachcharakter seiner Mauer, wie quadratische Blöcke übereinander geschachtelt, verrät schon die Nähe Afrikas. Man spürt sie überall, die geheimnisvolle Atmosphäre dieser Landschaft, die den sinnlichen Süden vom Norden trennt: Alles befindet sich in Bewegung. Hier endlich trat eine neue Disziplin des Arbeitens in mein Leben: die Pflicht, mich sehr intensiv mit der Ölmalerei zu beschäftigen.

Ein altes Sarazenengemäuer konnte ich für die Zeit meiner Studien beziehen, das von dem amerikanischen Künstler Randal Morgan aus New-York, zur Hälfte bewohnt wurde. In Randals Workshop' durfte ich viele Monate wie in einer Akademie arbeiten. Er führte mich in die Materie der reinen Maltechnik ein, dem einfachen handwerklichen Gebrauch von Fläche und Farbe. Das war der Anfang meiner im strengen Sinne visionellen Meditation in die Weite - und Bewegtheit der Malerei. Und heute bin ich diesem Anfang, ganz im Süden Italiens, das fast Afrika berührt, dankbar.

 

Orvieto, 1966
Italienische Erinnerungen

Nach längeren Aufenthalten in den USA, dem Tessin/Schweiz und in Frankreich bin ich in die alte Etruskerstadt Orvieto in Umbrien gezogen. Wenn es eine Magie von Orten, Ländern geben soll, so wird man hier ganz ungewollt, wie verzaubert, in die uralte mythologische Welt der Etrusker hineingezogen.

Der steile erloschene Vulkan, auf dem die Stadt einmal von den "Volkskern" besiedelt, dann von den Etruskern bewohnt war, hat seine Aura als Ort der Mirakel bis heute nicht abgestreift, in dem ich meine innere Welt wieder fand, den Kosmos, aus dem ich meine Bilder malen konnte.

Zur Erinnerung an Mietje Bontjes van Beek aus Fischerhude geboren am 06.05.1922 verstorben am 17.11. 2012

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© Frank Richard Bey